Automatisierung (an) der Oberfläche: Servicetrace wählt ungewöhnlichen RPA-Weg

Der Automatisierungsansatz von Servicetrace setzt an der Bildschirmoberfläche des Benutzers an und erweitert damit das Feld der RPA-Angebote zumindest um einen ungewöhnlichen und interessanten Ansatz: Die Software von Servicetrace zeichnet die Arbeitsschritte eines Mitarbeiters auf, so wie sie am Bildschirm ausgeführt werden. Es kann sich hierbei zum Beispiel um das manuelle Übertragen von Daten aus mehreren Input-Kanälen in eine ERP-Maske handeln, um etwa aus einer Kundenanforderung eine Bestellung zu generieren. Diese wiederkehrenden Bearbeitungsschritte übernimmt das RPA-Produkt „XceleratorOne“ – fertig ist die Automatisierung. Die Implementierung und das Training der Software dauere im Durchschnitt drei Wochen, so das Versprechen und der Erfahrungswert von Servicetrace.

Das klingt einfach und ist es unter bestimmten Umständen auch – diesen Eindruck hinterließ die Software zumindest bei einer exklusiven Präsentation der Lösung für die teknowlogy Group. Allerdings: Es gibt bestimmte Voraussetzungen und Einschränkungen, die beachtet werden müssen, sowie zu erledigende Vorarbeiten. Zum Beispiel eignet sich diese etwas spezielle RPA-Lösung besonders für Arbeitsumgebungen mit repetitiven, manuellen Bearbeitungsschritten und Prozesse mit Medienbrüchen. Oft sind das Verwaltungsprozesse, die sich über mehrere, nicht integrierte Applikationen erstrecken. Hier kann XceleratorOne seine Stärken ausspielen und für eine einfach zu implementierende Automatisierung sorgen.

Bevor es soweit ist, müssen Interessenten zunächst mit Hilfe XceleratorOne geeignete Prozesse für die Automatisierung identifizieren und sie in der integrierten Business Process Engine von XceleratorOne modellieren. Die Software erkennt zwar selbsttätig Eingabemasken auf der Oberfläche, deren inhaltliche Zuordnung gegenüber der Software muss aber manuell erfolgen. Für das Recording der Abläufe empfiehlt sich Sorgfalt und Fachkenntnis. Zwar wirbt der Hersteller mit einer No-Code-Programmierung, die auch von IT-Laien zu bedienen sei, räumt aber zugleich ein, dass man mit der Aufgabe Mitarbeiter betrauen sollte, die zumindest technikaffin sind. Empfehlenswert sind Key User mit analytischem Verständnis.

Schon seit 2004 arbeitet das Unternehmen fortlaufend an Software-Robotern für Applikationen. Die ersten Produkte wurden zunächst schwerpunktmäßig für synthetisches End-User-Monitoring des Application Performance Monitorings eingesetzt – sprich, die Roboter simulierten einen Endanwender, um so Applikationsverfügbarkeit und ‑performance aus Nutzersicht messen zu können. XceleratorOne ist eine neu entwickelte RPA-Lösung, die die Tätigkeiten des Nutzers nach realen Abläufen nachbildet.

XceleratorOne ist kompatibel mit gängigen ITSM-Systemen, das heißt, Arbeitsabläufe werden nicht während eines undefinierten Zustands der Applikationen automatisch bearbeitet. Oder anders ausgedrückt: Wenn das SAP-System, in das Daten geschrieben werden sollen, zum Beispiel aufgrund eines Release-Upgrades nicht verfügbar ist, können Anwender mit XceleratorOne auch die Automatisierung pausieren bzw. aussetzen, damit es keine Fehlläufe gibt. Das steigert die Stabilität der Automatisierung.

Zu den insgesamt 250 Kunden von Servicetrace zählen Unternehmen wie Merck, Fujitsu und Siemens. Die Abrechnung erfolgt im Pay-per-Use-Modell oder über eine jährliche Miet-Lizenzgebühr. Zu den Consulting- und Implementierungspartnern zählen unter anderem BearingPoint, T-Systems, Atos und Fujitsu. Insgesamt gibt es derzeit rund 60 zertifizierte Partner.