Unit4 – überzeugende Story für einen anspruchsvollen Business-Plan

Unter CEO Jose Duarte verfolgt Unit4 eine fokussierte Strategie, die sich auf personalintensive Branchen, die Cloud als bevorzugtes Betriebsmodell sehen, und auf den breiten Marktzugang mittels Partnernetze konzentriert. Die angestrebten Veränderungen sind grundlegend und schlüssig. Erfolgsentscheidend wird sein, ob es gelingt, Kunden, Partner und Mitarbeiter zu überzeugen.

Seit der Übernahme durch den Private Equity-Investor Advent International hat sich bei Unit4 viel verändert. Vor allem das Delisting von der Börse verschafft dem Unternehmen Luft, die geplanten Änderungen konsequent und ohne quartalsweise wiederkehrende Störfeuer von den Anlegern umzusetzen.

PAC hatte die Gelegenheit, mit CEO Jose Duarte und Jörg Jung, Managing Director DACH, über den aktuellen Stand des Change-Projekts zu diskutieren.

Eine wesentliche Komponente der globalen Strategie ist die eindeutige Ausrichtung auf „people-centric Businesses“, wie es CEO Duarte auf den Punkt brachte. Dazu zählen etwa die Branchen Professional Services, öffentliche Verwaltung, Hochschulen und Non-Profit-Organisationen. Alle von Unit4 adressierten Marktsegmente werden nach PAC-Prognose bis 2018 überdurchschnittlich wachsen, so dass Unit4 gute Möglichkeiten zur Entfaltung vorfindet. Die Fokussierung ist auch deshalb sinnvoll und schlüssig, weil diese Märkte stark fragmentiert sind und zu großen Teilen von sehr kleinen Anbietern belegt sind. Damit eröffnen sich Unit4 Chancen, nicht nur mit dem Markt, sondern auch über Verdrängung überdurchschnittlich zu wachsen.

Als Besonderheit kommt hinzu, dass sich Unit4 auf mittelständische Kunden konzentriert. Damit geht man dem harten Wettbewerb um das Großkundengeschäft aus dem Weg, das von Schwergewichten wie SAP und Oracle belegt ist.

Zum Change-Projekt zählt auch eine Durchforstung des Portfolios. In den vergangenen Jahren ist Unit4 vielfach durch Übernahmen gewachsen und hat es in der Folge versäumt, das Portfolio zu integrieren und zu vereinheitlichen. Diese Schwachstelle haben Duarte und sein neues Team erkannt. Sie haben daraufhin eine Plattform-Strategie eingeschlagen, die sämtliche Produkte auf eine gemeinsame technische Basis stellt und unter dem Unit4-Brand vereinen soll. Die Konsequenz daraus ist unter anderem, dass bekannte Markennamen aufgegeben wurden: Die einstige ERP-Suite „Agresso“ heißt heute „Unit4 Business World“, und aus „Coda Financials“ wurde „Unit4 Financials“.

Sämtlich Produkte laufen künftig auf der so genannten „People Platform“, die Kernfunktionen wie ein einheitliches Datenmodell, Analytics, Geschäftsprozesslogik und Benutzeroberfläche zur Verfügung stellt.

Damit ist zudem die Grundlage für verschiedene Deployment-Modelle gelegt. Unit4 lässt Kunden die Wahl zwischen on-premise, private und public Cloud. Doch Duarte betonte eindeutig, dass die Cloud-Variante das bevorzugte Deployment von Unit4 sein wird. Zwar strebt das Unternehmen eine nahtlose Integration sämtlicher Modelle an, doch Duarte machte klar, dass der Cloud-Betrieb durchaus funktionsreicher ausfallen könne. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn bestimmte Analytics-Funktionen Rechenleistungen voraussetzen, die nur eine Cloud-Infrastruktur in der Lage ist zu liefern.

Den Marktzugang sucht Unit4 vermehrt mit Hilfe von Partnerschaften. Kürzlich wurden entsprechende Abkommen mit BearingPoint für Integrationsprojekte und Microsoft für die Bereitstellung der Cloud-Plattform Azure vereinbart. Das Netzwerk soll zügig ausgeweitet werden. Partner werden als Multiplikatoren für den Wiederverkauf, die Systemintegration und den Infrastrukturbetrieb der Cloud-Lösungen benötigt. Sie sollen das Geschäft mit neuen Kunden und Kundensegmenten beschleunigen.

Das Ziel hinter allen Veränderungen ist, Unit4 innerhalb von vier Jahren zu einer Company mit einem Jahresumsatz von einer Milliarde Euro zu machen. Davon ist man heute noch weit entfernt, zuletzt meldete das Unternehmen Jahreseinnahmen in Höhe von 525 Millionen Euro. Das Vorhaben ist ehrgeizig, aber nicht unmöglich. Aus PAC-Sicht kann dies nur über das Partnermodell gelingen, das sich in eine Strategie aus Branchenausrichtung, einheitlichem Marktauftritt und integriertem Produktportfolio einfügen muss. Zum Wachstum beitragen werden sicher auch weiterhin Übernahmen. Erst vor Kurzem hatte Unit4 den US-amerikanischen ERP-Spezialisten für den Bildungssektor Three Rivers Systems übernommen.

Eine Schlüsselrolle beim angestrebten Wachstum dürfte dem deutschen Markt zufallen. Im von SAP dominierten ERP-Markt spielt Unit4 heute kaum eine Rolle. Selbst innerhalb des Unit4-Kosmos hinkt das Deutschland-Geschäft deutlich hinterher. Gerade mal drei Prozent der weltweiten Einnahmen erzielt Unit4 in Deutschland – ein winziger Anteil gemessen an der Bedeutung des hiesigen IT-Markts.

Doch zuletzt konnte DACH-Chef Jörg Jung einige Erfolge an die Zentrale melden: Die Region DACH hat sich zum am schnellsten wachsenden Unit4-Markt entwickelt. Verantwortlich dafür dürften nicht zuletzt die eingeleiteten Änderungen sein, die Jung initiiert hat.

Dabei kommen die Grundzüge der weltweiten Strategie auch in Deutschland zur Anwendung, ergänzt allerdings um einige lokale Spezifika: So hat Jung beispielsweise eine durch verschiedene Übernahmen gewachsene Organisation mit unterschiedlichen Einheiten (IT Infotechnik, KIRP und ProFiskal) unter einer einheitlichen Organisation zusammengeführt sowie lokale Produkte in das Konzernportfolio überführt. Zu den übernommenen Unternehmen zählte auch die deutsche Softwarefirma Adata, die eine Lohnabrechnungslösung anbietet. Doch von der hat sich Unit4 wieder getrennt.

Entscheidend für das weitere Wachstum in Deutschland wird das Partnernetz sein. In dem hart umkämpften hiesigen ERP-Markt sind starke und verlässliche Partner unabdingbar, wenn Unit4 weitere Kunden im deutschen Mittelstand überzeugen möchte.

CEO Duarte hat mit seinem Team eine überzeugende, schlüssige und innovative Story entwickelt. Doch Pläne, Strategien Visionen bringen wenig, wenn die Änderungen nicht umgesetzt werden. Dazu muss das Management-Team zunächst einmal die eigene Belegschaft von dem Vorhaben überzeugen, denn nur gemeinsam mit den Mitarbeitern werden die Neuerungen auch gelebt.

Duarte hat in den gut eineinhalb Jahren seit seinem Amtsantritt als CEO ein komplett neues Management-Team installiert, viele der verpflichteten Manager sind alte Weggefährten aus SAP-Zeiten. Sie haben viel Schwung und Schaffenskraft mitgebracht. Ob die neuen Führungskräfte auch eine so enge Bindung zur Belegschaft haben, dass das Change-Management gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Darüber hinaus muss es Unit4 gelingen, trotz mancher Eigenheiten des deutschen Marktes in Bezug auf Branchen das eigene Lösungsportfolio erfolgreich zu platzieren. Dazu zählt etwa der Bildungs- bzw. Hochschulsektor, ein wichtiger Wirtschaftszweig für den ERP-Anbieter, der aber hierzulande anderen Gesetzen unterworfen ist als etwa in den USA.